Isomorphic Labs, das von Alphabet unterstützte Biotech-Unternehmen, das künstliche Intelligenz nutzt, um die pharmazeutische Entwicklung zu revolutionieren, hat 2,1 Milliarden US-Dollar an neuen Finanzmitteln gesichert. Unter der Leitung von Thrive Capital stellt diese Runde nach Altos Labs die zweitgrößte Spendenaktion in der Geschichte der Biotechnologie dar. Diese massive Kapitalspritze unterstreicht einen Trendwechsel in der Branche: Investoren betrachten KI in der Arzneimittelforschung nicht länger als theoretische Möglichkeit, sondern als tragfähigen Motor zur Lösung einiger der hartnäckigsten Herausforderungen der Medizin.

Von der Nobelpreis-Technologie zur klinischen Anwendung

Der Stammbaum des Unternehmens ist geprägt von wissenschaftlichen Durchbrüchen. Isomorphic wurde 2021 als Alphabet-Unternehmen gegründet und ist vor allem für AlphaFold bekannt, das KI-Modell, das Proteinstrukturen genau vorhersagt. Diese Technologie brachte CEO Demis Hassabis den Nobelpreis für Chemie 2024 ein.

Allerdings ist die Vorhersage der Struktur nur der erste Schritt. Die neueste Weiterentwicklung von Isomorphic, AlphaFold 3 (veröffentlicht im Mai 2024), erweitert diese Fähigkeit um kleine Moleküle, Peptide und Antikörper – die eigentlichen Bausteine ​​von Medikamenten. Aufbauend auf dieser Grundlage hat das Unternehmen die Isomorphic Labs Drug Design Engine (IsoDDE) entwickelt.

Laut Isomorphic-Präsident Max Jaderberg ist IsoDDE „wie ein halbes Dutzend AlphaFold-Durchbrüche“. Im Gegensatz zu Spezialwerkzeugen ist IsoDDE weitgehend unabhängig von Krankheitsbereichen. Es kann vorhersagen, wie gut eine Therapie an ihr Ziel bindet, und potenzielle toxische Nebenwirkungen frühzeitig im Prozess erkennen. Diese Vielseitigkeit ermöglicht es dem Unternehmen, ein breites Spektrum medizinischer Probleme anzugehen, anstatt sich auf eine einzige therapeutische Nische zu beschränken.

Ein strategischer Wandel: Eigene Arzneimittelentwicklung

Obwohl die Technologie beeindruckend ist, bleibt die entscheidende Frage: Was wird Isomorphic tatsächlich damit bauen?

In der Vergangenheit haben es Technologiegiganten bevorzugt, ihre KI-Tools an etablierte Pharmaunternehmen zu lizenzieren. Isomorphic geht einen anderen, riskanteren Weg. Während das Unternehmen Partnerschaften mit den Branchenriesen Novartis und Eli Lilly geschlossen hat (potenziell im Gesamtwert von bis zu 3 Milliarden US-Dollar), entwickelt das Unternehmen auch Therapeutika im eigenen Haus.

Jaderberg beschreibt dies als eine Abkehr von „Fast-Follower“-Programmen hin zu „Null-zu-Eins“-Problemen** – Bereichen, in denen die aktuellen medizinischen Standards unzureichend sind oder in denen es keine wirksamen Behandlungen gibt. Die interne Pipeline konzentriert sich derzeit auf drei Bereiche mit großer Auswirkung:
* Onkologie
* Immunologie
* Entzündung

„Wir denken darüber nach, diese großen Null-zu-eins-Probleme anzugehen, bei denen der Rest der Welt vielleicht Schwierigkeiten hat, gute Medikamente für Patienten herzustellen, oder wir können den Versorgungsstandard ändern“, sagt Jaderberg.

Der Weg zu klinischen Studien

Der Zeitplan für die Abgabe dieser von der KI entwickelten Medikamente an Patienten bleibt vorsichtig. Isomorphic beabsichtigt, seine Hauptkandidaten unabhängig in klinische Studien zu bringen, obwohl sich bestimmte Zeitpläne verschoben haben. Auf dem Weltwirtschaftsforum im Januar prognostizierte Hassabis das Ende 2026 für den ersten klinischen Eintritt – ein ganzes Jahr später als bisher erwartet. Diese Verzögerung verdeutlicht die strenge Validierung, die vor menschlichen Tests erforderlich ist, selbst mit fortgeschrittener KI-Unterstützung.

Auch das langfristige Geschäftsmodell des Unternehmens ist flexibel. Jaderberg stellt fest, dass jeder Medikamentenkandidat als „individuelles Unternehmen“ behandelt wird. Folglich kann sich Isomorphic für Folgendes entscheiden:
1. Verkaufen Sie Vermögenswerte an größere Pharmaunternehmen.
2. Lizenzieren Sie die Technologie.
3. Die Therapeutika selbst vermarkten und sich zu einem traditionellen Pharmaunternehmen entwickeln.

Warum das für die Branche wichtig ist

Die Kapitalerhöhung von Isomorphic in Höhe von 2,1 Milliarden US-Dollar ist ein bedeutender Vertrauensbeweis in den Sektor „KI für die Arzneimittelforschung“, der seit der Gründung früher Pioniere wie Recursion im Jahr 2013 schnell gereift ist. Die Landschaft ist mittlerweile überfüllt mit Wettbewerbern, darunter:
* Chai Discovery: Wert von 1,3 Milliarden US-Dollar mit einem Deal, an dem Lilly beteiligt ist.
* Manifold Bio: Hat 40 Millionen US-Dollar gesammelt und ist eine Partnerschaft mit Roche eingegangen.

Jaderberg betont, dass sich das Fachgebiet von der Hypothese zum bewiesenen Nutzen entwickelt hat. „Es ist von einer Hypothese zu einer Realität übergegangen und wir wissen, dass dies funktioniert“, erklärt er.

Fazit

Isomorphic Labs steht an einem entscheidenden Wendepunkt. Dank rekordverdächtiger Finanzierung und mit Nobelpreisen ausgezeichneter Technologie verfügt das Unternehmen über die Ressourcen, um die traditionelle pharmazeutische Forschung und Entwicklung herauszufordern. Der ultimative Test findet jedoch nicht im Kodex oder in der Hauptstadt statt, sondern in der Klinik. Die Branche wartet darauf, ob KI endlich ihr Versprechen einlösen kann: komplexe Daten in lebensrettende Medikamente umzuwandeln, die Patienten effizient und effektiv erreichen.